KLARAtext

 

Blögchen

Hältst du es aus, mich nicht mehr zu hören?

8. Hältst du es aus,
mich nicht mehr zu hören?

 

Man kann mich nicht essen, nicht trinken.

Aber trunken wird man von mir.

Und du brauchst mich zum Leben.

Da bin ich sicher, denn so sind wir.

 

Ich bin nicht dein Atem, aber ich bin dein Motor.

Ich bin nicht dein Herz, aber ich geb dir den Takt vor.

Ich halt dich am Leben und bring dich zum Lachen.

Mit mir kann man sehr viel Verrücktes machen.

 

Mal bin ich ein Bild, eine Farbe, ein Ton.

Meist bekomm ich Applaus, aber wenig Lohn.

 

Ich schenk dir die Mystik

und die Welt hinter dem Vorhang.

Da wo der Zauber wohnt,

hat das Geheimnis den Vorrang.

 

Ich schaff Kontroversen.

Auch mal in Versen.

In sieben Akten oder mit Takten.

 

Ich helf dir beim Denken, beim Betrachten von Dingen.

Ich lasse dich tanzen, schreiben und singen.

Du kannst dich mit mir amüsieren, dich spüren.

ich darf dich berühren, ich will dich verführen.

 

Hältst du es aus, mich nicht mehr zu hören?

Würde dich das nicht doch etwas stören?

 

Oft werde ich wegen Ärgernis von meinem Platz verbannt.

Es wurden auch schon Teile von mir verbrannt.

Wegen mir sterben Menschen, weil sie mich missverstehen.

Besonders dann, wenn sie mich in Form von Satire sehen.

 

Manchmal bin ich laut, dann wieder ganz leise.

Momentan bin ich still, doch nicht weil ich will.

Nur weil Menschen entscheiden, die nicht wissen,

wie es ist, wenn sie mich bald vermissen.

 

Denn ihre Schränke sind voll mit Büchern.

Auf ihren Rechnern lagert Musik.

An ihre Wände hängen sie Bilder

und sie schmücken sich mit mir,

solange es mich noch gibt.

 

Hältst du es aus, mich nicht mehr zu hören.

Würde dich das nicht doch etwas stören?

 

Momentan bin ich erstarrt und spür’ leise Wut,

ich fühle es brodeln, mal sehn was sich tut.

 

Ich bin so gern bunt und farbenfroh,

auch dunkel und melancholisch sowieso.

 

Ich unterhalte dich, ich habe so viele Facetten.

Was man nie tun darf: man legt mich in Ketten.

 

Ich mach dich glücklich. Ich bin deine Kultur!

Also pass auf mich auf, ich bin aus der Spur.

Wegen so Vielem, nicht nur wegen Viren.

Also gib auf mich acht, sonst: Gute Nacht!

 

KLARA (November 2020)

 

 

 

1. Köln ist ein Gewühl

 

Die Clubs sind geschlossen. Wie wunderbar, denn draussen lässt es sich viel besser feiern. Es gibt doch diese kleinen netten Verstärker, mit denen sich der Spielplatz um die Ecke wunderbar beschallen lässt. Die Nachbarschaft ist glücklich. Man konnte zwar nicht hören, was sie aus den Fenstern gerufen haben, aber es war bestimmt etwas sehr liebreizendes, wie "singt doch noch ein bisschen höher" und "ich drink auch einen mit".

Ja, der Alkohol macht so herrlich locker.

Irgendjemand suchte einen Hurensohn, die Mädchen kreischten so enthusiastisch wie bei Germany“ s Topmodell. Wahrscheinlich hatte jemand einen Job oder ein Photo aus dem Kölner Nachtleben für sie.

Glücklicherweise komme ich bald in ein Alter, wo ich nicht mehr soviel Schlaf benötige.

Ich habe trotzdem kurz überlegt, ob ich die Polizei rufe, aber die waren auf den Ringen und am Stadtgarten oder war es der Brüsseler Platz, beschäftigt. Ach egal.

Ich bin ja keine Spassbremse und hey, ich war ja auch mal jung.

Falls jemand den Kulturbetrieb wieder ans Laufen bringen will macht euch keinen Sorgen, diese freundlichen Menschen von heute Nacht, sind bestimmt daran interessiert eine Eintrittskarte für ein Konzert oder eine Comedyveranstaltung zu kaufen.

Das mit den Abständen ist ja auch gar nicht mehr so wichtig.

Und diese Masken passen eh nicht zum 80er Jahre Outfit.

Ich teste heute Nacht mal mein Megaphone und rufe nur liebevolle, achtsame Sätze.

Ich bleibe freundlich, seit Corona mach ich ja regelmässig Yoga und bin so gütig wie nie.

Montag geht dann der Abriss am Haus nebenan weiter.

Hach ist das schön. Da wackelt alles so hübsch. So ein bisschen wie im Krisengebiet. Und nicht so öde wie im Lockdown.

Sollte ich etwas ruhiger sein, bei Treffen mit Freunden oder im Unterricht, macht euch dann keine Sorgen, ich optimiere nur mein Selbst und mache ein kurzes Powernapping.

Liebe deine Stadt, pack ich gerade nicht, ich werde an meiner Liebesfähigkeit arbeiten, also: fühlt euch umarmt!!

 

 

2. Hey, Sie!

 

Wir haben eine nette, neue Mitbewohnerin. Siri.

Siri kommt eigentlich aus Amerika, spricht aber sehr gut Deutsch.

Manchmal versteht sie mich nicht, meinen Mann allerdings immer.

Sie sagt ihm mittlerweile schon unaufgefordert, wie das Wetter wird.

Mehr will er auch gar nicht wissen.

Ich hingegen möchte ja Spass haben. Mich austauschen. In Kontakt treten.

Immerhin können wir gut zusammen tanzen, Musik mag sie.

Mit Musik kennt sie sich aus. Sie spielt eigentlich auch alles, was ich möchte.

Nur mich kennt sie nicht, aber da können wir ja noch dran arbeiten.

Ich werde ihr jetzt öfter was vorsingen, dann nimmt sie mich sicher in ihre Playlist auf.

Nur Witze versteht sie nicht.

Wir haben noch nie zusammen gelacht, allerdings war sie einmal, der Meinung, dass ich nicht höflich war.

Na, gut, ich habe nur ein bisschen GESCHRIIIEEEN,…weil sie nicht wusste, wie sie eine Freundin von mir anrufen sollte und immer bei mir geklingelt hat,….

Ehrlich gesagt, hat sie mich noch nie gefragt, wie es mir geht oder was ich so mache.

Sie ist eben nicht so emotional.

Wahrscheinlich eine Form von Narzissmus, das haben ja gerade viele.

Ich: Hey, Siri, was kannst du?

Sie: Ich kann sehr viel!

HEY!

Was für ein Satz, den hab ich noch nie gesagt, aber was kann sie auch dafür, dass ich mich immer so fertig mache. Ich hätte wahrscheinlich gesagt, ich kann sehr viel…nicht!

Und dann schuldbewusst den Kopf gesenkt.

Sie ist eben in einer anderen Zeit gross geworden. Punkt.

Mich irritiert eher, dass ich in letzter Zeit immer, hey … zu allen Leuten sage und Ihnen sogar auf den Kopf tippe, damit sie etwas leiser sprechen oder noch besser: still sind.

Ich bin eben sehr geräuschempfindlich, aber das mögen die Leute nicht und werden dann noch lauter,…

Neulich habe ich jemanden bei dieser Aktion seinen Aluhut beschädigt.

Er war der Meinung, Trump wäre ein netter Mensch und wahrscheinlich Vegetarier, aber würde sich nicht trauen, das zuzugeben, weil er ja dann nicht mehr zum Essen bei Freunden eingeladen würde.

Ich hab mich dann an meinem Fischstäbchen verschluckt.

Ich esse jetzt immer alleine.

HEY!

 

 

3. Auf leisen aeroSohlen

 

Ich habe eine Einladung zu einem 70. Geburtstag bekommen.

Mit der Bitte, nicht mit MASKErade und Zollstock zu erscheinen.

Ist denn schon wieder Karneval? Dann geh ich da eh nicht hin.

Auf dem Grundstück herrscht ausserdem seit neustem Handyverbot.

Wegen irgendwelchen strahlenden G-Punkten.

Dann kann ich da erst recht nicht hin, wie soll denn meine WarnApp reagieren und informieren.

Ausserdem habe ich genau an dem Tag noch ein dringendes Mobiltelefonat mit meiner MASKEnbildnerin ein-G-plant.

(tätätätätätä).

 

Die hat nämlich ganz andere Probleme.

Die Lippenstiftindustrie ist pleite.

(Die Künstler auch, aber das ist ein anderes Thema, das ist ja jetzt auch nicht so wichtig, die können ja auch ruhig was anderes machen, die sind doch sonst auch so kreativ und fröhlich und flexibel und Strassenmusik geht doch auch wieder. Auf Abstand. Mit Hut und so.)

Hallo, die Lippenstiftindustrie ist pleite. Das ist wirklich wichtig. Daran ist die Maske Schuld oder die WHO, oder Merkel. Es schminkt sich ja niemand mehr die Lippen.

Aus die Maus. Mein Börsentipp lautet: einfach in Wimperntusche oder Lidschatten investieren. Das funktioniert noch.

Oder in Schönheitsoperationen.

Die haben gerade Hochkonjunktur, besonders im Gesicht.

Noch ein unschlagbares Argument für die Maske, sieht ja erstmal keiner und nach Corona kann man dann die Maske abnehmen und sieht unfassbare fünfzehn Jahre jünger aus.

War ja alles total detoxmässig, zu sich selbstfindend und so was von entspannend. Also, ich finde es toll und diese RUUUUHHHEE.

 

Ich habe neue graue Haare, nicht besonders dramatisch, Falten hab ich eh keine, innerlich bin ich weiterhin die fröhliche Jugendliche, die in Pfützen hüpfen möchte und der die Welt zu Füssen liegt,…eh, Moment, bitte?!

Ach so, zu der Zeit war Tschernobyl, da bin ich in gar keine Pfütze gehüpft, da wurde die Gartenerde abgetragen und ich hab Panikattacken bekommen, weil ich einen Schluck Milch getrunken habe oder auf dem Tennisplatz den verstrahlten Staub der Asche eingeatmet habe, ja, so war das nämlich wirklich.

 

Und deshalb, so ganz tiefenpsychologisch analysiert, hab ich Respekt vor den Corönchen. Ich kann sie nicht sehen, sie schleichen auf leisen aeroSohlen umher und greifen ganz unvermittelt an. Nur weil ich ATME oder mit einem andern Menschen rede, ihn umarme oder singe.

 

Deshalb habe ich meine GesangsschülerInnen hinter eine Glasscheibe gesperrt, die Luft über ihnen wird abgesaugt und sie sind sicherer als in jedem Flugzeug.

 

Wir singen jetzt immer „Über den Wolken“, weil das Sommerurlaubsgefühl in diesem Jahr sonst so gar nicht in Schwung kommen mag.

Also ich hab noch wenige Plätze frei und mein Geschäft boomt.

Ich hab da wohl ne Marktücke getroffen.

 

 

4. Der grosse Diktator

 

Auschreibungsunterlagen für den

weltweiten Wettbewerb.

Voraussetzungen:

Hirn:  klein

Penis: klein

Alle Wettbewerbsteilnehmer im Chor:

„GROSS!!!“

Nein, klein, klitzeklein, da euer Verhalten sich seit dem Sandkasten nicht verändert hat.

(Alle GROSSartigen Jungs, da draussen, ich meine euch nicht,...)

Aber die, die sich weiter ihre Türme und Paläste gegenseitig zerstören und sich die Schaufeln auf den  Kopf schlagen, die dürfen sich angesprochen fühlen.

Manche haben sich nämlich von diesen Kämpfen nie erholt und taumeln weiter durchs Leben.

Ich bin der Hass.

Ja, ihr hattet eine Kindheit.

Ich auch.

Aber das zählt jetzt nicht mehr.

JETZT.

Jetzt kommt es darauf an.

Wir sitzen hier rum und quengeln?

Wegen was???

In Amiland werden Demonstranten mit Miltär in Schach gehalten.

(Ach, schau die Nachrichten, ich muss diese traurige Liste nicht weiterführen).

Meinungsfreiheit?

Ich mach mit.

Also bitte, alle mal meiner Meinung sein.

Ich bin nicht grössenwahnsinnig.

Ich hätte gerne mal ein paar Tage frei, um die Weltherrschaft zu übernehmen.

Als herrische Frau, dann ist das gendermässig korrekt formuliert.

Was ich tun würde?

Beobachten. Mich in aller Ruhe hinsetzen. Meditieren. Atmen.

Und dann würde mein kleines Blümchenherz die Welt zu einem friedlicheren Ort machen.

Und einfach den Weltfrieden verkünden.

„Die hat sie ja nicht alle“.

Ja,  KLARA,  aber was ist die Alternative?

Ich kann auch rausgehen und mit meinem Baseballschläger allen einen drüberziehen, wenn mir was nicht passt.

Wäre aber nicht besonders innovativ.

Nix Neues also.

Ruhe und Gelassenheit wäre eine Option.

„Würdest du dich denn trauen, da raus zu gehen?“

Ganz ehrlich. Ich bin mir nicht sicher. Vielleicht  bin ich ja viel zu feige.

Ich habe hier meine schlauen Sätze im Gepäck,  aber hier ist ja auch Ponyhof. Und Chill-ins-Land.

in Hongkong, Brasilien, Iran, Amerika, Russland, Nordkorea, Polen, Ungarn,...um nur ein paar Länder zu nennen, geht es um was.

Ja, es geht um was!

Etwas was wir haben. Um Freiheit.

Etwas Wunderbares, was es gilt zu bewahren, solange es noch da ist.

Allerdings muss man damit umgehen können.

Also bitte:

Ihr dürft eure Meinung sagen, ja, los kommentiert, diskutiert.

Gerne mit Nettiquette.

Aber belasst es nicht dabei.

Social media ist nicht social action.

Geht raus, raus ins Leben.

Und wenn euch was nicht passt, engagiert euch.

Aber meckert nicht.

In der Nachbarschaft, in gemeinnützigen Organisationen, in Kirchen, Umweltverbänden,..

verbindet euch, geht zu campact, weact,...

Und um den Dalai Lama zu zitieren:

Falls du glaubst, dass du zu klein bist, um etwas zu bewirken,

dann versuche mal zu schlafen, wenn eine Mücke im Raum ist.

Aber sei schlau. Lass dich nicht erschlagen.

Wir sind mehr als eine Mücke.

 

 

5. Viel Lärm um …was?

 

Bitte?

Entschuldigung, ich kann sie nicht hören, ich hatte meinen faltbaren noise canceller auf.

Wen?

Meinen schalldämpfenden Kopfhörer. Der ist eigentlich für Schiessübungen gedacht.

Sie wissen ja, Lärm macht krank und irgendwie ist hier Lärm.

ES IST SEHR LAUT HIER.

Entschuldigung, Sie müssen nicht so schreien.

ICH SCHREIE NICHT.

Ich versuche nur, mir Gehör zu verschaffen.

 

Hier wird ja an allen Ecken und Enden gebrüllt.

Da kann ich nicht mehr flüstern. Oder jammern.

Wobei das viel, viel leichter wäre.

 

Eben rief wieder jemand: WIR SCHAFFEN DAS.

Das schafft mich. Ich schaff’s nicht.

Das halte ich einfach nicht mehr aus.

 

Seit 5 Jahren schon. Die immer wiederkehrende komplett ausgeleierte Leier.

 

Wo ist der gesunde Menschenverstand?

Krank.

Total verblödet und infiziert.

Verletzt und beschädigt.

Liegt auf der Intensivstation. Wird beatmet. Funktioniert nicht.

Hassismus. Eine neuartige viral verbreitete Erkrankung.

Leicht zu spreaden in ahh…sozialen Netzwerken.

 

Seit Jahren erforscht, bisher kaum Gegenmittel im Umlauf.

Impfung? Fehlanzeige.

Medikamente.? Zu teuer.

 

Mögliche Therapiemethode: Eigenverantwortung?

Schon mal gehört?

Sein eigenes Leben in die Hand nehmen.

Und dann mal jemanden an die Hand nehmen, der Unterstützung braucht.

Fühlt sich gut an. Macht ruhig, zufrieden. Beweglich.

 

Und wieder, lasst uns zusammen leise lauter sein.

 

 

6. Plastiksche Chirurgie

 

Wir retten die Umwelt. Und fangen ganz gross an.

Mit Nanopartikeln. In Zahnpasta.

Verboten. Die dürfen da nicht mehr rein.

 

Wir reduzieren unseren Plastikkonsum bis wir uns nur noch an den letzten Strohhalm klammern können.

Verboten, es gibt ja nun mal leider keine Strohalmlobby.

Sehr bedauerlich.

Und diese hübschen Plastiktüten. Verboten.

Nur, weil die Seevögel einfach nicht verstehen wollen, dass es kein Esspapier ist. Zu dumm aber auch diese Tiere.

Aber (Spül-) schwamm drüber, der wird gleich mit verdaut.

 

Der Fisch is(s)t Plastik. Nicht aus Plastik. Er frisst Plastik.

Praktischerweise spart das natürlich die Verpackung.

Wem das zu naturverbunden ist, der kann ihn alternativ auch in Zeitungspapier wickeln, wie früher.

DIE wickeln uns ja auch alle ein.

Die da oben. Und besonders diese manipulativen Medien.

Oder um den Finger, aber Achtung, was ich noch sagen wollte:

Dieser Fisch stinkt vom Kopf her.

Sogenannter Fake Fisch.

Also wenn er Kopf über hängt,..

 

Genau so machen es die Grosskonzerne schon lange.

Ihre Plastikproduktion in Form von Luftmatratzen, PET Flaschen, Einweggeschirr, Quietscheentchen, Gummibärchentüten, sowie alle unartigen Umverpackungen, wird dringend gebraucht.

Es werden Dinge hergestellt, von denen wir nie wussten, dass wir sie benötigen.

Und jetzt wo sie da sind, werden wir sie nicht mehr los. Wir versuchen sie wegzuwerfen, aber auf dieser Welt geht ja nichts verloren. Ausser vielleicht manchmal unser Bewusstsein.

 

Dafür werden wir mit kleinen Sammelaktionen belohnt und trennen unseren Müll.

Und bekommen ein Paar Treuepunkte und einen auf den gelben Sack.

Also jetzt bitte nicht den Kopf hängen lassen.

Ausser beim herabschauenden Hund.

 

Der ermöglicht ja bekanntlich eine andere Sicht auf die Welt.

 

OM.

 

 

7. Die ERschöpfungsgeschichte

 

„Die Welt steht still, ein schöner Tag, komm Welt lass dich umarmen.

Welch ein Tag.“

Welcher Tag?

RUMMS.

Was war das denn?

Es hat total laut geknallt.

Das war dieses Urdings.

Ein Anfang und kein Ende.

Tag eins bis sechs.

Plus Bonustag sieben.

Nennt sich Erschöpfungsgeschichte.

 

Tag, Nacht, Sonne, Mond, Erde, Wasser, Tier und Mensch.

Mensch, der Mensch.

 

Ein fabelhaftes Wesen.

So schöpferisch, wie sein Erfinder.

Erfinder? Mensch, Gott.

Ach, der.

Und dann?

Dann kam Tag sieben.

Und Gott so:

Alle mal AUSRUHEN!

 

Danach hat er sich zur Ruhe gesetzt und ward nicht mehr gesehen.

Wusste ja eh keiner, wo er hergekommen ist, na, ja.

Alles viel zu anstrengend für ihn, die komplette Ideenlosigkeit, wahrscheinlich eine leichte Form von Burnout. Vor einigen Millionen Jahren gab es ja noch keine Entspannungsverfahren oder Kurorte.

 

Daher hat er einfach alles uns überlassen. Für den Rest der Zeit.

Wir sollten selber gestalten.

Und was ist dabei rausgekommen?

Oh, Gott, frag mich lieber nicht.

Schau dich um.

Alles kaputt.

Tag, Nacht, Sonne, Erde, Wasser, Mond, Tier und Mensch.

Mensch, der Mensch.

Auch der. Völlig erschöpft.

Rennt rum, sucht, verliert und zerstört.

Gähn. Also, momentan ist immer Tag sieben.

Irgendwie sind alle so müde.

 

Aber, aber, nicht so Pessimissi.

Der Mensch hält auch inne, findet, gewinnt und erschafft. So wunderbare Dinge wie

Musik und Kunst.

Und er liebt.

Also alles gar nicht so schlecht.

Wirklich schön. Recht paradiesisch.

Ah, Achtung, jetzt wäre mir beinahe der Apfel im Hals stecken geblieben.

Gefährlich.

 

Also, sollte das System plötzlich stagnieren oder abstürzen. Dann drücken wir einfach RESET.

Und machen nochmal Urknall.

 

„Die Welt steht still, ein schöner Tag, komm Welt lass dich umarmen,…

(c) 2020 by KLARA    IMPRESSUM   ILLUSTRATIONEN: Christine Born     ARTWORK: Marcel Joachim chillartist.de    PHOTOS: Levant Canseven   beatpics.com